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Pfrunger-Burgweiler Ried, Aquarell von Gabriele Ebner
![]() Mephisto, Zeichnung von Alexander von Liezen-Mayer |
auf dieser Welt?
Dem dies, dem das,
hier aber fehlt das Geld.“
(Goethe, Faust II, Mephisto) |
Das scheint für die Stiftung Pfrunger-Burgweiler Ried nicht zuzutreffen. Hier ist das Geld sehr großzügig geflossen und wurde in derselben Weise sehr großzügig ausgegeben. Schauen wir mal über den baden-württembergischen Gartenzaun hinaus. Die Moorflächen in Bayern betragen insgesamt 2.227,82 km². Das jetzige Projektgebiet - ohne Bewirtschaftungszone – des Pfrunger-Burgweiler Riedes liegt bei 14,53 km². Das sind nicht einmal 0,7% der Moorflächen im gesamten Freistaat Bayern. Die Stiftung Pfrunger-Burgweiler Ried hat jetzt schon etliche Millionen Euro ins Moor versenkt. Der endgültige Betrag wird die 10 Millionen Euro sicherlich überschreiten. In Bayern gibt man für die gesamten Moorflächen, welche um das 150-fache größer sind, gerade mal acht Millionen Euro für die Jahre 2008-2011 aus.
Ehrenamtliche Helfer des Landesbundes für Vogelschutz haben seit 2003 das „Eglinger Filz“, eines der größten Moore im Tölzer Land, regeneriert. Im Jahre 2008 erhielt der örtliche Kreisverband für Vogelschutz in Anerkennung seiner jahrelangen ehrenamtlichen Tätigkeit den bayerischen Umweltpreis.
Moorschutz ist Klimaschutz. Das wiedervernässte Moor gibt weniger CO² ab. Umfangreiche Messungen wurden vom Institut für Agrarrelevante Klimaforschung am Johann Heinrich von Thünen-Institut, der Bundesforschungsanstalt für Ländliche Räume, Wald und Fischerei mit Sitz in Braunschweig durchgeführt. Danach ist nur das intakte Hochmoor eine CO²-Senke. Und bis im Pfrunger-Burgweiler Ried ein intaktes Hochmoor entsteht, können rund 10.000 Jahre vergehen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es zu keiner intakten Hochmoorbildung kommen wird, weil elementare Voraussetzungen speziell in diesem Ried nicht gegeben sind, wie zum Beispiel die jährliche Niederschlagsmenge, welche für ein intaktes Hochmoor bei 1.100 bis 1.400 mm Niederschlag liegen sollte. Die Niederschlagsmenge im Pfrunger-Burgweiler Ried liegt bei ca. 900 mm jährlich, mit abnehmender Tendenz.
Durch den CO²-Handel und durch die Verschmutzungsrechte sind die hier eingesparten Mengen CO² allerdings von größter Bedeutung für die Bundesrepublik, da sie dadurch an anderer Stelle CO² nicht einsparen muss. Sonst wäre unser Land – bei weiterhin bestehendem Wunsch, den CO²-Ausstoß zu reduzieren – gezwungen, zum Beispiel den Bau neuer Kohlekraftwerke zu verbieten und eine dezentrale Energieversorgung zu favorisieren, z.B. Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung. Dadurch könnte der CO²-Ausstoß bis zu 50% reduziert werden. Oder unsere Regierung hätte schon vor zehn Jahren und mehr die Automobilindustrie an die Kandare nehmen und umweltfreundliche Autos verlangen müssen.
Die Inschutznahme der Großindustrie könnte erklären, warum bei der Wiedervernässung der Moore das Geld so locker sitzt und vor allem, warum bei der Wiedervernässung so große Eile geboten ist.
"Unser Leitbild:Alle sollen gewinnen! |
Und was ist aus diesem Große Teile des Riedes werden so vernässt, |
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Eines der kompetentesten Bücher über die Oberschwäbischen Weiher und Seen stammt von Professor Konold (Siehe Abbildung links).
Er beschreibt nicht nur die Natur, sondern äußert sich auch dazu, was der Mensch tun soll und was nicht. Er kommt zu einem ganz wichtigen Ergebnis: „Eine gleichrangige Behandlung und Verwendung von naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Begründungen für „Natur“schutz (eigentlich „Kultur“schutz)verhindert, dass der Mensch von vornherein als Gestalter von dieser als nun schutzwürdig erkannten Kulturlandschaft oder deren Bestandteile ausgeklammert wird, wie dies üblicherweise geschieht. ….Die Einführung der historischen Dimension bei der Diskussion um den Erhalt unserer Kulturlandschaft ist sinnvoll und notwendig und wirkt der umsichgreifenden Geschichtslosigkeit und der statischen bis nostalgischen Betrachtungsweise von Landschaft, „Natur“ oder Umwelt entgegen. (W. Konold 1983 und 1985) Diese Aussagen von Professor Konold widersprechen vollkommen der Absicht der Riedstiftung, die letzten 200 Jahre ungeschehen zu machen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. |
![]() Waldameisenhaufen |
Hintergrundwunsch der Riedstiftung ist, dass sich in hunderten, vielleicht auch erst in tausenden von Jahren hier wieder ein Hochmoor bilden soll. Unsere schon einmal zitierten bayerischen Nachbarn warnen mit drei Ausrufungszeichen vor dem Versuch, Hochmoore regenerieren zu wollen. Die Gefahr, dass sich im ehemals hochgeschätzten Pfrunger-Burgweiler Ried eine Brennnesselwüste ausbreiten wird, ist sehr groß. Die Stickstoffbelastung des Bodens ist nicht zu vergleichen mit der nach der letzten Eiszeit. Auto- und Flugverkehr haben durch den Ausstoß von Stickoxiden völlig andere Voraussetzungen geschaffen. Und wie steht es mit der bisherigen Flora und Fauna? Die Mehlprimel und die Waldameise stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen. Auch der im Garten so ungeliebte Maulwurf ist vom Aussterben bedroht. Im Zentrum der Vernässung wird alles organische Leben absterben, ein lautloser aber zum Teil ein qualvoller Tod! Die Verwesung organischer Substanz mit Entwicklung von Methan und anderen Faulgasen, die um ein Vielfaches schädlicher sind als CO², verschlechtern die Ökobilanz erheblich. |
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![]() Mehlprimel |
![]() Wilhelm Klickermann, Riedlandschaft |
ÖDP gegen NABU?Es ist sicher ungewöhnlich, dass eine ökologisch orientierte Partei auf Konfrontation mit dem Naturschutz geht. |
Das Pfrunger-Burgweiler Ried umfasst ein rund 300 Kilometer langes Entwässerungsnetz. Dieses Netz an Kleingewässern soll systematisch mit Querbauwerken und Torfpfropfen durch die Ried-Stiftung Großprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried verstopft werden, um eine flächenhafte Vernässung der Fluren und der bestehenden Vegetation zu erreichen. Dadurch werden Wasserkörper dauerhaft voneinander getrennt, was ein eklatanter Verstoß gegen die elementar bedeutsame Biotop-Vernetzung bedeutet. Dies ist auch der Grund, weshalb die Wasserrahmenrichtlinie 2000 der Europäischen Union sowie nationales Wasserrecht eine nachhaltige Vernetzung von Wasserkörpern untereinander im Gesetz festgeschrieben haben.
Weiterhin bieten Kleingewässer beste Möglichkeiten, zahlreichen Tieren und Pflanzen, deren Existenz in unserer heutigen Kulturlandschaft bedroht ist, neue Lebensräume zu geben.
Wir wissen, dass die Stabilität im Landschaftshaushalt weitgehend durch biologische Vielfalt in der Landschaft gewährleistet wird. Vielfalt, das bedeutet eine gewisse Mannigfaltigkeit von Biotopen und damit ein Reichtum an Pflanzen- und Tierarten. Das heißt, man braucht nicht hier und da einige verstreute Gewässer in der Landschaft, sondern man braucht ein funktionierendes Netz solcher Kleingewässer. Denn viele isolierte Bestände haben langfristig keine Überlebenschance. Neue Kleingewässer müssen deshalb hinzukommen und dürfen nicht, so wie von der Ried-Stiftung geplant, zerstört werden.

Der natürliche oder naturnahe Weiher gilt als unser artenreichstes Gewässer und selbst der kleinste Weiher trägt dazu bei, bestandsgefährdete Pflanzen- und Tierarten zu erhalten.
Der grundlegende sowie naheliegende Gedanke von uns ist, das seit mehr als 100 Jahren bestehende Entwässerungsnetz im Pfrunger-Burgweiler Ried ökologisch aufzuwerten. Die bisherigen Entwässerungsgräben wurden meist mit einem Gefälle von ca. 1 Prozent zum Fließgewässer, der Ostrach, hin angelegt. Vor allem in den Sommermonaten treten in den Wiesengräben stärkere Wasserstandsschwankungen auf und ein periodisches, längeres Trockenfallen ist die Folge. Dies beeinträchtigt die Qualität als Lebensraum erheblich.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass nur Gräben und Grabensysteme mit einem permanent anstehenden Wasserspiegel die Voraussetzung ist für die Entwicklung von Lebensräumen mit hoher ökologischer Qualität.
Es stellt sich somit die Frage, wie mit einfachen Mitteln dem Trockenstress in den Sommermonaten mit verschiedenen negativen Konsequenzen begegnet und dadurch das Graben-Ökosystem aufgewertet werden kann.
Die einfache Idee hierzu ist, das Drainagewasser nicht durch ein Gefälle der Grabensohle zum Fließgewässer hin schnellstmöglich abzuleiten, sondern das Wasser zu speichern, indem das Gefälle "gekippt" und der Entwässerungsgraben zum Speichergraben (Senke) ausgebaut wird. Die Sohle eines solchen ökologisch aufgewerteten Speicher- oder Wiesengrabens liegt damit grundsätzlich tiefer als die Sohle des Fließgewässers, z.B. der Ostrach. Damit ist gewährleistet, dass der Wiesengraben ganzjährig mit Wasser gefüllt ist und sich hierdurch neue Lebensräume von höchster Qualität entwickeln können.
Am Ende eines Wiesengrabens ist, falls möglich, die Aufweitung und Vertiefung des Grabenprofils zu einem Tümpel mit abgeflachten Ufern unbedingt zu empfehlen. Sehr schnell wird ein solcher Tümpel von Wasserfauna und Wasserflora besiedelt, ebenso können neue Habitate für spezielle Kleinfischarten entstehen, wie z.B. für die stark gefährdete Karausche.

Ein Beispiel für einen naturnah geschaffenen Wasserrückhalteraum (Tümpel) durch Aufweitung und Vertiefung des Profils eines ehemaligen Drainagegrabens. Dadurch ist u.a. ein neuer Lebensraum für spezielle Kleinfischarten, wie z.B. für die stark gefährdete Karausche entstanden.
Das Beispiel zeigt, dass es mit einfachen Mitteln und einem überschaubaren Aufwand möglich ist, Gewässer-Biotope zu sanieren oder neu zu schaffen. Vor allem an kleineren Gewässern, wie am Wiesengraben, lassen sich innerhalb eines kurzen Zeitraumes sichtbare Erfolge erzielen im Gegensatz zur Hochmoor-Entwicklung, welche unter Umständen bis zu 10 000 Jahren betragen kann!
Der gezielte Ausbau des im Pfrunger-Burgweiler Ried vorhandenen Grabensystem zu Speichergräben, was insbesondere aus topografischen Gründen in der Ostrach-Aue einfach durchführbar wäre, ergibt eine Reihe von Synergien:
Die gezielte Speicherung von Niederschlägen und Hochwasser durch die Speichergräben dient der Wasserwirtschaft zur Grundwasseranreicherung (Infiltration) und nimmt als stabilisierender Faktor einen positiven Einfluss auf den Wasserhaushalt.
Die Wiederherstellung teilweise natürlicher Wasserverhältnisse für die Moor-Konservierung des bis zu 8 Meter mächtigen Moores in der Ostrach-Auen wird gefördert und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet (Verhinderung von Emissionen an klimaschädigendem Kohlenstoffdioxid).
Weiterhin wird ein wesentlicher Beitrag zum präventiven Hochwasserschutz geleistet, indem die Flutwelle vom Vorfluter (Ostrach) gekappt und in die Breite abgeleitet wird. Dadurch wird der Wasserabfluss räumlich und zeitlich entzerrt und die Bewohner flussabwärts werden weitgehend vor Hochwasserschäden bewahrt.
Die Grünlandfluren werden den Bauern mehr Ertrag liefern und die Befahrbarkeit durch die landwirtschaftlichen Maschinen wird verbessert.
Ziele des Natur- und Landschaftschutzes werden unterstützt und als solche besonders im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie nachhaltig verfolgt. Weiterhin trägt der Aufbau eines kleinmaschigen Retentionsnetzes zur Stabilisierung des Naturhaushaltes einer Landschaft bei. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren wird aufgrund der Biotop-Vernetzung erheblich zunehmen.
Und es können auch Kosten in einem erheblichen Umfang eingespart werden. Wir haben eine Kosteneinsparung von mehr als 80% gegenüber den bereits jetzt durch die Ried-Stiftung verursachten Kosten abgeschätzt.